Krisenvorsorge – Vorbereitung auf den Ernstfall

Krisenvorsorge – Vorbereitung auf den Ernstfall

Krisenprävention für Unternehmen, Behörden und Organisationen.

Von Jorge Klapproth.

Sie kommen häufig plötzlich und unerwartet: Das liegt in der Natur von Krisen. Hochwasserkatastrophe, Orkanschaden, Stromausfall, Pandemie, Terroranschlag, Unfall mit Todesfolge, Verursachung von Umweltschäden, Datenmissbrauch, persönliche Fehlleistung von Führungskräften – alles Ereignisse, die sich schnell zu einer veritablen Medien- und Vertrauenskrise entwickeln können – wenn nicht richtig und entschlossen reagiert wird. Und es kann jedes Unternehmen, jede Behörde oder Organisation treffen. Die Größe spielt dabei keine Rolle.

Was sind die Auswirkungen von krisenhaften Entwicklungen?

In der Krise ist alles anders – denn hier gelten besondere Regeln. Die üblichen Gesetzmäßigkeiten und Verfahren sind schnell außer Kraft gesetzt. Intern wie extern. Der Druck auf die handelnden Personen steigt: Durch die Medienberichterstattung, die unmittelbar Betroffenen, die Sozialen Medien und durch weitere Organisationen oder Personen (Stakeholder), die sich zumindest einer latenten Gefahr im Umfeld der krisengebeutelten Organisation oder Unternehmung ausgesetzt sehen.
Wie sollten von einer Krisenlage betroffene Einrichtungen reagieren?
 
Das ist naturgemäß von der jeweiligen Situation abhängig. Gleichwohl gilt es Grundlegendes zu beachten: Ohne Verzögerung muss sofort ein (vorbereitetes) handlungsfähiges Krisenmanagement mit einem verantwortlichen Krisenmanager eingesetzt werden. Dazu sollten weitere Verantwortlichkeiten und Ansprechpartner festgelegt, Verfahrenswege abgestimmt, Kommunikationswege nach außen und nach innen geöffnet und Stakeholder von anderen Unternehmen, den Behörden, der Öffentlichkeit, den Medien, Politikern und anderen Playern mit eingebunden und informiert werden.
 
Doch in Krisenzeiten versagen viele Unternehmen und Organisationen – mit oft fatalen Folgen. Häufig werden dabei die gleichen Fehler gemacht, weil hektisch oder zögerlich, voreilig, ängstlich und unkoordiniert reagiert wird. Das führt dazu, dass in Jahren aufgebautes Vertrauen in Personen und Institutionen in kürzester Zeit verloren gehen kann. Prominente Beispiele in jüngster Zeit zeigen das: Der VW-Abgasskandal, die ADAC-Vertrauenskrise, das Bau-Drama um den Berliner Flughafen oder der DFB-Skandal.
 
Wie kann man sich als Unternehmen, Behörde oder Organisation auf solche Situationen, auf schwere Unglücke oder Katastrophenfälle vorbereiten?
 
Krisenprävention
Eine wesentliche Komponente im Krisenmanagement ist die systematische Vorbereitung auf mögliche Ereignisse. Eine gute Vorbereitung hilft, Krisen besser zu bewältigen. Funktionierende Informationswege, klare Verantwortlichkeiten, festgelegte Abläufe, eine offene und zielgerichtete Kommunikation sowie ein souveräner Auftritt in der Öffentlichkeit, haben sich als wichtige Bausteine für die erfolgreiche Bewältigung einer Krise gezeigt.
Durch geeignete Krisenprävention kann man die Risiken abzuschätzen, eine Krisensituation antizipieren und für den Fall des Eintretens eines relevanten Ereignisses, vorbereitende Maßnahmen treffen. Kommt es dann zu einer Krise, muss diese mit Hilfe von reagierendem Krisenmanagement so gut wie möglich bewältigt werden.
 
Zur Krisenprävention gehören daher u.a. Maßnahmen zur Risikoanalyse, Festlegung und Aufstellung eines Krisenstabes/Krisenmanagements, Erarbeitung eines Krisenleitfadens, Festlegung eines Kommunikationskonzeptes und der entsprechenden Botschaften sowie die Durchführung von Planübungen und Medientrainings. Die Möglichkeiten und Notwendigkeiten sind sehr vielfältig und abhängig von den Gegebenheiten, den Anforderungen und den Möglichkeiten des Unternehmens oder der Einrichtung.
 
Krisenmanagement und Krisenkommunikation
Hauptakteur beim Krisenmanagement ist ein gut funktionierender Krisenstab. Mit ihm werden die operativen Maßnahmen zur Bewältigung einer Krisenlage gesteuert. Zu seinen wesentlichen Aufgaben gehört die umfassende Lageinformation und Lagebewertung, die Aktivierung von Notfallplänen, die Einleitung, Koordinierung und Überwachung von Maßnahmen sowie die Kommunikation mit Partnern, Mitarbeitern, Behörden, der Bevölkerung und den Medien.
Die höchste Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Medien wird einem meist erst dann zuteil, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann: In einer Krise. Denn Krisen treten meistens unverhofft auf und stoßen in der Öffentlichkeit immer auf großes Interesse. Als Katalysator der krisenhaften Entwicklungen dienen zudem häufig nicht die Tatsachen, sondern die Meinungen über die Tatsachen. So kann sich eine krisenhafte Entwicklung selbständig aufschaukeln. Dieser Entwicklung kann man nur mit einer geschickten Krisenkommunikation begegnen. Dazu spielt sie als integraler Bestandteil des Krisenmanagements eine wichtige Rolle. Denn mit ihr steuert man die öffentliche Wahrnehmung des Ereignisses und trägt dazu bei, das Vertrauen in die Organisation oder Behörde zu erhalten oder verlorengegangenes Vertrauen wieder herzustellen. Für Führungsverantwortliche ist es deshalb ratsam, sich schon vor überraschenden Ereignissen Gedanken über die wichtigsten Phänomene zu machen, die im Umgang mit den Medien eine Rolle spielen.
 
Die Lufthansa stand im Frühjahr 2015 vor einer harten Bewährungsprobe. Der dramatische Flugzeugabsturz der Germanwings-Maschine über den französischen Alpen und die damit verbundene Berichterstattung zeigen deutlich: Sobald ein Unglück eintritt, stürzen sich alle darauf. Die Fernsehstationen, Radiosender, Zeitungen, Zeitschriften und natürlich auch die digitalen und Sozialen Medien. Die Meldungen, Gerüchte und Spekulationen überschlagen sich nach Bekanntwerden des Ereignisses. Das Informationsbedürfnis der Medien und der Öffentlichkeit ist immens. Deshalb ist eine gut abgestimmte Krisenkommunikation mitentscheidend für den weiteren Verlauf einer krisenhaften Entwicklung.
Das Problem bei Krisen ist, dass keine Krise den gleichen Ablauf hat. Ein wichtiger Bestandteil des Krisenmanagements ist es deshalb, im Rahmen der Krisenprävention, vor einer möglichen Krise eine Analyse der Risiken, der vorhandenen Prozesse, Kenntnisse und Ressourcen durchzuführen und daraus geeignete Maßnahmen zur Krisenvorsorge abzuleiten.
 
Es gibt kein genaues Rezept um eine Krise zu bewältigen. Aber die Krise folgt vorhersehbaren Mustern. Und darauf kann man sich einstellen.
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Handbuch für Krisenmanagement und Krisenkommunikation

Jorge Klapproth
Der Tag X – Vorbereitung auf den Ernstfall
Handbuch für Krisenmanagement und Krisenkommunikation
Hardcover, 484 S., BoD-Verlag, Mai 2016
Printausgabe:
ISBN-10: 3842332351
ISBN-13: 978-3842332355
eBook:
ISBN 978-3-7412-3606-8
Info: www.jorge-klapproth.de/home/autor/der-tag-x/

Beschreibung:

ADAC-Vertrauenskrise, VW-Abgasskandal, Absturz einer Germanwings-Maschine – die Krisennachrichten erreichen uns beinahe täglich. Und es kann jeden treffen. Die Größe eines Unternehmens, einer Behörde oder Organisation spielt dabei keine Rolle.

Das fatale ist: Sie kommen häufig plötzlich und unerwartet. Das liegt in der Natur von Krisen.  Produktrückruf, Betriebsunfall oder Umweltschäden – in solch einer Situation ist gutes Krisenmanagement gefragt, um Vertrauen aufzubauen und die Notfallsituation zu meistern.

In diesem Praxishandbuch beschreibt der Autor Jorge Klapproth, wie ein funktionierendes Krisenmanagementsystem aufgebaut werden kann, wie die Krisenkommunikation funktioniert und wie die Schnittstellen für ein reibungsloses Zusammenwirken aller am Krisenmanagement Beteiligten eingerichtet werden können. Er gibt dem Anwender Hintergründe und Hilfestellung bei der Planung und Umsetzung eines bedarfsgerechten Krisenmanagementsystems.

Mit zahlreichen Übersichten, Checklisten und Vorlagen gelingt es dem Nutzer schnell, sich in diesem klar strukturierten Handbuch zurechtzufinden. Viele Beispiele und aktuelle Fallstudien erläutern und vertiefen die Ausführungen des Autors und machen es dem Profi sowie dem Einsteiger leicht, sich in die Thematik des Krisenmanagements und einer wirkungsvollen Krisenkommunikation einzuarbeiten und für den eigenen Bereich umzusetzen.

Der Autor

Jorge Klapproth, Jahrgang 1961, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter. Er ist Kommunikationsberater, Medientrainer und Executive Coach für Unternehmen, Behörden und Organisationen. Er berät und trainiert Führungskräfte und Kommunikationsverantwortliche in den Bereichen Krisenmanagement, Krisenkommunikation und Strategische Kommunikation.

Er ist Inhaber des Seminarhauses CMC Kommunikation + Medien und Managing Partner der Beratungsagentur Klapproth & Röhrl Krisenmanagement. Als Medientrainer hat er sich auf die Vorbereitung von Führungskräften auf den professionellen Auftritt in TV, Radio und vor Publikum spezialisiert. Er ist als Reserveoffizier in der Katastrophenhilfe und in der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit eingesetzt. In dieser Funktion ist er Leiter der Informationsarbeit im Landeskommando Nordrhein-Westfalen und Sprecher der Bundeswehr im Bundesland.

Seine erste Buchveröffentlichung „Wirkungsvolle Kommunikation als Erfolgsfaktor für Führungskräfte“ ist in deutscher und englischer Sprache im BoD-Verlag erschienen. Sein aktuelles Werk „Der Tag X: Vorbereitung auf den Ernstfall, Handbuch für Krisenmanagement und Krisenkommunikation“ ist seit Mai 2016 auf dem deutschsprachigen Markt erhältlich.

Jorge Klapproth ist Mitglied im Berufsverband für Trainer, Berater und Coaches (BDVT e.V.) und im Deutschen Fachjournalisten Verband (DFJV).

Internet:

www.jorge-klapproth.de

www.conmediacom.de

www.klapproth-roehrl.de

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